🪷 Asanas sind nur der Anfang – was Yoga abseits der Matte wirklich bedeutet

Viele denken bei Yoga an flexible Körper, perfekte Posen und ästhetische Flows.
Ich dachte das auch – bis ich verstanden habe, dass Yoga viel tiefer geht.
Dass es nicht darum geht, wie weit du dich beugen kannst,
sondern wie nah du dir selbst dabei kommst.


🌿 Yoga – eine jahrtausendealte Wissenschaft des Lebens

Yoga ist kein Sport.
Es ist ein System, das vor über 2000 Jahren in Indien entstanden ist –
eine Wissenschaft über das Menschsein, über Bewusstsein, Körper und Geist.

Das Wort Yoga stammt aus dem Sanskrit und bedeutet â€žEinheit“ oder â€žVerbindung“.
Verbindung zwischen Körper und Atem.
Zwischen Kopf und Herz.
Zwischen dir und der Welt um dich herum.

Im Yoga Sutra des Patanjali â€“ einem der wichtigsten Texte der Yogaphilosophie –
wird Yoga als ein Weg beschrieben, den Geist zur Ruhe zu bringen.
Patanjali spricht von acht Gliedern oder Stufen, die gemeinsam den Pfad des Yoga formen:
den 8-gliedrigen Pfad (Ashtanga Yoga).


🕊️ Der 8-gliedrige Pfad – dein Weg von außen nach innen

Yoga ist mehr als die Praxis auf der Matte.
Patanjalis acht Stufen zeigen, dass körperliche Bewegung nur ein kleiner Teil eines viel größeren Weges ist.
Ein Weg, der dich von äußerer Disziplin zu innerer Freiheit führt.

1. Yama – der Umgang mit der Welt

Die fĂĽnf Yamas sind ethische Prinzipien, die dein Verhalten gegenĂĽber anderen leiten:

  • Ahimsa (Gewaltlosigkeit) â€“ Sanft sein, in Worten, Gedanken und Taten.
  • Satya (Wahrhaftigkeit) â€“ ehrlich zu dir und anderen sein.
  • Asteya (Nicht-Stehlen) â€“ Dankbarkeit statt Mangeldenken.
  • Brahmacharya (MaĂźhalten) â€“ Balance im Konsum, im Tun, im Leben.
  • Aparigraha (Nicht-Anhaften) â€“ loslassen, was du nicht kontrollieren kannst.

Diese Prinzipien sind das Fundament – sie lehren dich, bewusster zu leben.


2. Niyama – der Umgang mit dir selbst

Die fĂĽnf Niyamas helfen, dich selbst besser zu verstehen und liebevoll zu fĂĽhren:

  • Saucha (Reinheit) â€“ Klarheit im Körper und im Geist.
  • Santosha (Zufriedenheit) â€“ Frieden im Jetzt finden.
  • Tapas (Disziplin) â€“ Dranbleiben, auch wenn’s unbequem wird.
  • Svadhyaya (Selbstreflexion) â€“ dich selbst immer wieder erforschen.
  • Ishvara Pranidhana (Hingabe) â€“ Vertrauen in etwas Größeres als dich selbst.

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Diese Praxis beginnt da, wo du ehrlich hinschaust – und aufhörst, dich zu verurteilen.


3. Asana – die Haltung im Leben

Ja, Asanas sind die körperlichen Übungen, die du aus dem Yoga kennst.
Aber ursprĂĽnglich waren sie Mittel zum Zweck:
Sie sollten Körper und Geist so ausbalancieren, dass Meditation möglich wird.

Asanas sind nicht die Hauptsache im Yoga – sie sind die Vorbereitung.
Das Ziel ist nicht, perfekt in einer Pose zu stehen,
sondern dich in jeder Haltung bewusst zu spĂĽren.


4. Pranayama – die Kontrolle des Atems

Prana bedeutet Lebensenergie.
Ayama bedeutet Ausdehnung oder Kontrolle.

Pranayama ist die Kunst, deinen Atem bewusst zu lenken –
um Energie zu aktivieren oder Ruhe zu finden.
Wissenschaftlich belegt:
Atemübungen können das Nervensystem regulieren, den Stresslevel senken und die Konzentration steigern
(Quelle: Harvard Health Publishing, 2021).


5. Pratyahara – RĂĽckzug der Sinne

In einer lauten Welt bedeutet Yoga oft: Abschalten lernen.
Pratyahara ist der Moment, in dem du den Blick nach innen richtest.
Du hörst auf, dich im Außen zu verlieren,
und beginnst, dich wieder selbst zu spĂĽren.


6. Dharana – Konzentration

Dharana ist der Fokus – auf den Atem, ein Mantra oder ein inneres Gefühl.
Es ist das Training des Geistes, sich nicht von jeder Ablenkung mitreiĂźen zu lassen.


7. Dhyana – Meditation

Meditation ist kein Ziel, sondern ein Zustand.
Ein Fluss aus Aufmerksamkeit, in dem du dich mit allem verbunden fĂĽhlst.
In dieser Stille geschieht Transformation – ganz ohne Druck, ganz ohne Wollen.


8. Samadhi – Einheit

Das Ziel – und zugleich das Paradoxon:
Im Zustand des Samadhi verschmelzen Körper, Geist und Seele.
Nicht als Flucht, sondern als tiefes Gefühl von Einssein –
mit dir selbst und der Welt.


🌞 Yoga heute – zwischen Tradition & Moderne

Heute ist Yoga für viele ein Lifestyle, ein Workout, ein ästhetischer Trend.
Und das ist okay – solange du weißt, dass es mehr ist.

Denn Yoga beginnt nicht, wenn du deine Matte ausrollst,
sondern wenn du sie wieder zusammenrollst.
Wenn du das, was du auf der Matte übst – Präsenz, Atem, Achtsamkeit –
mit in dein Leben nimmst.


đź’« Fazit: Yoga ist der Weg zurĂĽck zu dir

Asanas sind wichtig – sie bringen dich in Bewegung.
Aber Yoga beginnt, wenn du still wirst.
Wenn du spĂĽrst, dass Wachstum nicht im AuĂźen passiert,
sondern in dem Moment, in dem du innehältst und atmest.

Yoga ist kein Ziel, sondern ein Weg.
Ein Weg, auf dem du dich selbst wieder findest –
immer und immer wieder.


📚 Quellen & wissenschaftliche Referenzen

  • Patanjali: Yoga Sutra, Ăśbersetzung nach Swami Satchidananda (Integral Yoga Publications, 2012)
  • Feuerstein, Georg: The Yoga Tradition (Hohm Press, 2011)
  • Harvard Health Publishing (2021): Yogic breathing and the nervous system
  • Saraswati, Satyananda: Asana Pranayama Mudra Bandha (Yoga Publications Trust, 2013)
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